Die Geschichte des Evangelischen Gymnasiums
2003 - das "verflixte 7. Jahr"
Dem Projekt « Evangelisches Gymnasium » habe ich drei Jahre meines Lebens gewidmet. Wenn man mich fragt, warum ich dies getan habe, noch dazu ehrenamtlich, dann kann ich mit innerer Überzeugung antworten: Ich habe es für die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern getan. Sie haben sich dieser schulischen Einrichtung anvertraut und dieses Vertrauen sollte nicht enttäuscht werden.
Als ich im Juni 2003 gemeinsam mit dem Theologen Dekan Univ. Prof. Dr. Gottfried ADAM und dem Juristen SC Dr. Raoul KNEUCKER, unterstützt von dem Finanzberater Dr. Kurt LICHTKOPPLER, in den neu gegründeten Gymnasiumsausschuss berufen wurde und mit der Arbeit begann, fand ich eine denkbar schlechte Ausgangslage vor:
Wer Mut hat zu träumen, hat auch Kraft zu kämpfen
Trotz der eher entmutigenden Voraussetzungen entschloss ich mich, dem Drängen von OKR Mag. Robert KAUER nachzugeben, die Herausforderung anzunehmen und mich um das Gymnasium zu kümmern. Die erste Analyse ergab, dass Miet- und Kaufverträge aufgelöst werden mussten. Mit Hilfe der Familie Mautner Markhof und mit Unterstützung und Kooperation der HTL Mödling konnte ein größerer finanzieller Schaden verhindert werden. Danach wurden Schülerzahlen erhoben, Entwicklungsprognosen erstellt, es wurden Einnahmen- und Ausgabenszenarios entwickelt und Finanzierungsmodelle durchgerechnet. Die Suche nach einem Gebäude endete mit der Erkenntnis, dass nur ein Neubau in Frage kommt. Schließlich wurden ein Grundstück und ein Bauträger gefunden! Die Wohnbauvereinigung der GPA bot uns einen Bauplatz in Simmering bei den Gasometern an, und sie erklärte sich auch bereit, als Bauträger das Schulhaus zu errichten. Nun war es so weit: Die Eltern und ihre Kinder, das Lehrerkollegium und die Kirchenleitung konnten informiert werden, und im Juni 2004 wurde auf einer unverbauten Wiese das „G'stättenfest“ gefeiert. Auf einem riesengroßen Transparent stand zu lesen:
"DA SCHAU HER! Das Evangelische Gymnasium und Werkschulheim sowie die Johann-Sebastian-Bach-Musikschule werden hier entstehen . . . " Dieses Transparent war das sichtbare Zeichen dafür, dass das erste Etappenziel erreicht war.
Und dann begann die intensive Planungsarbeit der Architekten und der Fachplaner. Ideen wurden immer wieder variiert, verworfen, weiterentwickelt, das Projekt nahm Gestalt an. Gleichzeitig wurden Verhandlungen mit den Subventionsgebern der Stadt und des Landes geführt - ein solches Vorhaben ist nur mit finanzieller Unterstützung der öffentlichen Hand zu verwirklichen. Allen beteiligten Partnern sei für alle Kooperation und auch an dieser Stelle noch einmal gedankt.

Allerorten wurde mit großem Einsatz gearbeitet, und die Einreichung bei der Baubehörde vorbereitet. Im Jänner 2005 sollte mit dem Aushub der Baugrube begonnen werden, doch die Baugenehmigung ließ auf sich warten. Präs. Hans SALMUTTER, der sich für das Projekt begeistert und stark gemacht hatte, gab den Baggern zu gegebener Zeit „grünes Licht“. Ihm lag daran, dass das Haus pünktlich fertig wurde. Und die Zeit war knapp - 20 Monate bis zur geplanten Übergabe!
Nach guter Sitte wurde auch die Grundsteinlegung gefeiert, das Baugeschehen sollte unter Gottes Segen gestellt werden. In einem großen Zelt im Hof der Schule in der Argentinierstraße wurde gesungen und gebetet, gefeiert und musiziert und es wurden die Wünsche der Schüler und Schülerinnen gesammelt als ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Schule sehr lebendig ist und Zukunft hat.

Nach dem holprigen Beginn kamen die Bauarbeiten zügig in Schwung, das Wetter machte keine größeren Probleme, der Rohbau wuchs in die Höhe, bald war der Umriss des Turnsaales zu erkennen, Stiegenhäuser und Freitreppe nahmen Konturen an und über die Stützen spannten sich Balken und Decken. Im November 2005 luden die Generalunternehmer-Partner DYWIDAG und ÖSTU-STETTIN zu einer Gleichenfeier in den fertig gestellten Rohbau. Die Freude über diesen Teilerfolg konnte man in den Gesichtern der Arbeiter und der Gäste sehen! Die bisherigen Arbeiten liefen „in time“! Noch 9 Monate . . .

Einige Anmerkungen zur Konzeption des Hauses
Das Grundstück ist knapp bemessen, kaum 2000m², für eine Schule mit bis zu 600 Schülerinnen, mit Werkstätten und Nachmittagsbetreuung. Das erfordert das bewusste Wahrnehmen der Bedürfnisse der Nutzer und eine enorme Disziplin beim Planen.
„Das Haus ist eine Stadt“, so lautet ein aufschlussreiches Zitat des Architekten Prof. Anton Schweighofer.
Dieses Haus ist eine kleine Stadt in der Stadt. Es gibt Wege und Kreuzungen, Durchblicke und Plätze, Treppen führen bergauf und bergab, man begegnet klarer Strukturierung und überraschender Vielfalt, es wechseln Transparenz und Geschlossenheit, Gegensätze und Harmonie ergänzen einander. Die Nordseite des Hauses schützt wie eine Wand vor Wind und Lärm, die Südseite öffnet sich einladend und holt die Sonne herein. Das Zentrum des Hauses ist die Eingangshalle, die Agora: Wie letztere in einer antiken Stadt der Mittelpunkt des urbanen Lebens ist, wird auch hier die Halle zum Kreuzungspunkt aller Wege. Das Licht spielt dabei eine große Rolle, es durchflutet die Aula und gibt dem Zentrum einen deutlichen Akzent. Um sie herum gruppieren sich die Unterrichtsräume, die Verwaltung und die Werkstätten. Der Speisesaal ist ein Raum der Begegnung, er möchte vielleicht auch die Senioren und Seniorinnen zum Verweilen einladen.

Eine Stadt, eine Werkstatt - eine Werkstatt der Bildung und der Ausbildung, Matura und Lehre, Werkstätten der Lernens und des Lehrens, modellhaft und zukunftsweisend.
In einer Stadt leben Menschen jeden Alters. In diesem Haus sind auch Menschen aller Altersstufen vereint: Die Jüngsten gehen in die evangelische Johann-Sebastian-Bach- Musikschule nebenan, die Ältesten leben oben auf dem Dach in den Senioren-Wohngemeinschaften des Evangelischen Diakoniewerkes Gallneukirchen. Dazu kommen die älteren Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte. So finden sich alle Generationen in einem Gebäude, Begegnungen sind möglich und erwünscht: voneinander lernen, miteinander leben, gemeinsam arbeiten und feiern - eine evangelische Stadt in einem Haus, unter einem Dach!
Die äußerst komplizierten Bebauungsbestimmungen verlangten, dass auf dem Grundstück auch Wohnungen untergebracht werden mussten. In den drei obersten Geschoßen des Hauses sind darum Wohngemeinschaften für ältere Menschen vorgesehen worden. Die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit einer diakonischen Einrichtung gehört zum Anspruch der Schule „EVANGELISCH zu sein“ und einen diakonisch sozialen Schwerpunkt zu verwirklichen.
Die Wirtschaftlichkeit eines Hauses zeigt sich auf Dauer nicht nur an den Bau- sondern auch an den Betriebskosten - die Energiepreise lehren uns das täglich. Daher wurde Bedacht darauf genommen die Flächen möglichst zu reduzieren. Für die innere Organisation wurde dem Hinweis des Ministeriums Rechnung getragen und ein Departmentsystem (Wanderklassensystem) gewählt. Aus Gründen der energetischen Sparsamkeit wurde die Schule als ein Niedrig-Energiehaus mit einer kontrollierten Lüftung gebaut. Und es sei auch angemerkt, dass bei einer Bausumme von mehr als 11 Mio. Euro der präliminierte Kostenrahmen eingehalten wurde.
Schule prägt. Die Lehrkräfte, die in der Schule unterrichten, erziehen und bilden junge Menschen. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, auch das Schulhaus, das Gebäude in seiner ganzen Erscheinungsform, prägt die Menschen, die dort aus- und eingehen.
Das Projekt Evangelisches Gymnasium ist nach nur drei Jahren Planungs- und Bauzeit im September 2006 pünktlich fertig geworden. Der Traum vom Neubau des Gymnasiums ist in Erfüllung gegangen. Die Evangelische Kirche hat durchaus Grund darauf stolz zu sein!
Möge in diesem Haus immer Platz sein für gelebte Gemeinschaft, gelebte Diakonie, für ein Zusammenleben in gegenseitiger Verantwortung, im Respekt vor der Würde des Menschen, in Zufriedenheit und Dankbarkeit und im rechten Glauben gemäß Psalm 127:
"Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst!"

Noch einige Bilder vom Bau des Gymnasiums





